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Trauer ist keine Krankheit

Trauer ist keine Krankheit

Trauer löst im menschlichen Körper Reaktionen aus, die ein Trauernder oftmals nicht versteht. Professionelle Trauerbegleiter helfen Betroffenen dabei, diese Auswirkungen der Trauer zu verstehen und den Verlust einer Person zu verarbeiten.

Was ist Trauerbegleitung?

Trauerbegleiter unterstützen Menschen dabei eine Verlusterfahrung, beispielsweise durch den Tod einer geliebten Person oder durch eine Kündigung zu verarbeiten. Sie helfen, das Gefühl und die Auswirkungen der Trauer auf den eigenen Körper zu verstehen und die Trauer zum Ausdruck zu bringen. Die Akzeptanz der professionellen Trauerbegleitung ist in den letzen Jahren stark gewachsen. Trauerbegleitung wird bewusst wahr- und in Anspruch genommen, stellt die Trauerbegleiterin Eva Terhorst fest. In der Vergangenheit verfolgten Trauerbegleiter das Ziel einen Hinterbliebenen dabei zu helfen den Verstorbenen loszulassen. Inzwischen werden die Betroffenen dabei unterstützt den Verlust zu begreifen und das Geschehene in das Leben zu integrieren, so Herr Matzik vom Bundesverband für Trauerbegleitung.

Trauer braucht Kreativität

Die Angebote von Trauerbegleitern sind vielfältig. Sie reichen von Gesprächsangeboten über kreative Methoden, wie Malen, Schreiben oder handwerkliche Tätigkeiten bis hin zu spirituellen Angeboten. Einige Trauerbegleiter bieten auch Übungen zur Körperwahrnehmung, Wanderungen und Naturerfahrung an, so die Trauerbegleiterin Angelika Bening.
Erwachsene drücken ihre Trauer vor allem über die Sprache aus. Ein Trauerbegleiter ist in Einzelgesprächen ein neutraler Ansprechpartner und kann direkt auf den Trauernden eingehen. In Trauergruppen oder Trauercafé können sich Hinterbliebene über ihre Erfahrungen austauschen. Vor allem das gegenseitige Interesse und Verständnis, das sich die Gruppenmitglieder entgegenbringen hilft den Trauernden in ihrer Situation.
Bei der Arbeit mit Kindern werden vordergründig kreative Methoden, wie Märchen erzählen, Malen oder Puppenspiele eingesetzt. Da Kinder noch in der Entwicklung sind können sie Trauer nicht wie Erwachsene reflektieren und über Sprache ausdrücken.
Das Zurückkehren in ein strukturiertes Leben ist wichtig. Zur Unterstützung von Trauernden hat Eva Terhorst aus diesem Grund ein Trauertagebuch entwickelt. Die Trauerbegleiterin plant außerdem gemeinsame Unternehmungen mit den Mitgliedern der Trauergruppen, bei denen vor allem eins erlaubt ist – Lachen.

Reaktionen von Trauernden

Reaktionen von Trauernden sind nicht selten emotional sehr heftig, weiß die Trauerbegleiterin Petra Stößner zu berichten. Oftmals sorgt eine nicht verarbeitete Alt-Trauer für extreme Auswirkungen in einem aktuellen Trauerfall. Die Reaktionen sind von Mensch zu Mensch verschieden und abhängig vom Grund der Trauer. Dies macht eine Zuordnung von typischen Reaktionen zu bestimmten Personengruppen nahezu unmöglich.
Nach Aussage von Petra Stößner kann beispielsweise eine Kategorisierung nach „Elterntrauer“ oder „Geschwistertrauer“ vorgenommen werden. Die Familientrauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper berichtet von vier Typen von Trauernden. Sie unterscheidet zwischen dem „Emotionalen“ dem „Sachlichen“, dem „Vermeider“ und dem „Aktiv Trauernden“. Menschen tragen in der Regel alle Reaktionstypen in sich. Doch häufig ist einer der Typen besonders ausgeprägt. Die Zuordnung von Personen in eine dieser Gruppen hilft der Trauerbegleiterin, die Reaktionen der Trauernden den Angehörigen zu erklären.

Nicht gelebte Trauer kann krank machen

Die Kosten für eine professionelle Trauerbegleitung werden in der Regel nicht von Krankenkassen übernommen. Die Versicherten können im Trauerfall Therapieangebote in Anspruch nehmen. Diese sind mit der Trauerarbeit aber nicht gleichzusetzen. Trauerbegleiter befürchten, dass verdrängte Trauer in den meisten Fällen psychosomatische Krankheiten, wie Depressionen, nach sich ziehen. Der Bundesverband für Trauerbegleitung setzt sich daher für die Prävention durch professionelle Trauerbegleitung ein.

Trauerarbeit ist Schwerstarbeit – Wie Freunde Trauernde unterstützen können

Die Trauerbegleiterin Eva Terhorst beschreibt Trauerarbeit als Marathon. Ein trauernder Mensch hat nie Pause und Ruhe vor der Trauer. Daher ist es wichtig, dass Trauernde aus ihrem nächsten Umfeld Unterstützung bekommen. Gut gemeinte Ratschläge, wie „Zeit heilt alle Wunden“ sorgen jedoch oftmals dafür, dass Trauernde sich missverstanden fühlen.
Freunde und Familienangehörige sollten den Trauernden vor allem durch Zeit und Aufmerksamkeit unterstützen. Es ist wichtig dem Trauernden zuzuhören. Dabei sollte man nicht zu zurückhaltend reagieren. Eine ehrliche Aussage, wie „ Ich möchte für dich da sein, aber ich weiß nicht wie“ hilft dem Betroffenen mehr als ein Schweigen. Auch wenn man nicht zu den geübten Zuhörern gehört, kann man den Trauernden durch die Hilfe bei alltäglichen Aufgaben unterstützen, so Eva Terhorst. Petra Stößner weist darauf hin, dass Familienangehörige oder Freunde vor allem keine Forderungen stellen oder Vorwürfe machen sollten.
Bildquelle: © David Niblack

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